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Samstag, 20. Juni 2015

Makarionissi oder Die Insel der Seligen - Vea Kaiser


Autor: Vea Kaiser

Verlag: Kiepenheuer & Witsch

Seitenzahl: 464

ISBN:  978-3-462-04742-4

Erscheinungsdatum: 11. Mai 2015

Ebenfalls als E-Book erhältlich!

zu kaufen bei: Kiepenheuer & Witsch

oder bei: Amazon



Cover:


Das Cover passt sowohl in seiner Farbgestaltung als auch im Motiv absolut zum Buch. Sehr gelungen finde ich dabei die Details, wie zum Beispiel der Olivenzweig und der Hirschkäfer, die sich auch in der Geschichte wiederfinden.


Erster Satz:


In Varitsi, einem kleinen Bergdorf nahe der albansisch-griechischen Grenze, gab es das Sprichwort, dass die dunkelste Stunde immer jene vor Sonnenaufgang sei.


Inhalt:


"Makarionissi oder Die Insel der Seligen" erzählt die Geschichte einer Familie mit griechischem Ursprung, über mehrere Generationen hinweg. Es beginnt im Jahre neunzehnhundertsechsundfünfzig und endet in der Gegenwart mit den Ururenkeln von Yiayia Maria Kouzis. Diese war es einst, die die Zeichen eines Traumes falsch deutete und daraufhin die Idee hatte, die Enkeltochter Eleni mit dem Enkelsohn Lefti zu verheiraten, um die Zukunft der Familie sowie den Fortbestand des Erbes zu sichern. Während Lefti sich notgedrungen in sein Schicksal fügt, ist Eleni von den Plänen der Großmutter alles andere als begeistert und beginnt ihrem Cousin das Leben schwer zu machen, bis sie sich schließlich Jahre später, als sie im niedersächsischen Hildesheim leben, ganz aus den Augen verlieren. Eleni gelangt über mehrere Umwege auf die Insel Makarionissi (Der Insel der Seligen) und baut sich dort ein neues Leben auf, während es Lefti nach St. Pölten in Österreich verschlägt.


Meine Meinung zum Buch:


Wenn man wie ich, bereits "Blasmusikpop oder Wie die Wissenschaft in die Berge kam"abgöttisch geliebt hat, fiebert man als Leser ganz klar auch diesem Buch entgegen. Und so stand für mich bereits lange vor der Veröffentlichung fest, dass ich dieses Buch unbedingt lesen muss. Dem Klappentext sowie dem Cover hatte ich dabei gar keine große Aufmerksam geschenkt, so dass ich eigentlich gar nicht wusste, was mich erwartet. Wahrscheinlich würde ich von Vea Kaiser jedes Buch kaufen, ohne es vorher gesehen zu haben.

Im Vordergrund dieses Romans stehen Lefti und Eleni, Cousin und Cousine, die heiraten sollen um das Familienerbe zu sichern. Die Geschichte setzt jedoch viele Jahre früher an, in der Kindheit der Beiden, als diese gemeinsam mit der eigensinnigen Großmutter Maria aufwachsen und von ihr viele traditionelle Geschichten der griechischen Literatur mit auf den Weg bekommen und so verwundert es auch nicht, dass Eleni wie eine dieser Heldinnen aus den Erzählungen der Großmutter werden möchte. Ich hatte während des Lesens oftmals Schwierigkeiten Elenis Handlungen nachzuvollziehen, da sie teilweise sehr impulsiv reagierte und gar nicht merkte, wie sie andere damit verletzte. Allerdings machte gerade sie dieses Buch so lebendig und spätestens als sie selbst Mutter wurde, machte sie eine gewisse Entwicklung durch und wuchs mir mehr und mehr ans Herz.

"Eleni hatte gelernt, dass die Deutschen steif und stur sein konnten. Doch sie kam aus den griechischen Bergen. Sie war mit Eseln aufgewachsen. Sie war sich sicher, sturer zu sein." (Zitat S. 119)


Lefti ist das komplette Gegenteil und ihn mochte ich auf Anhieb. Er ist gutmütig und eher der ruhende Pol der Familie, der es am liebsten allen recht machen möchte und sich selbst dabei vernachlässigt. Er findet später seine große Liebe Trudi und führt eine glückliche Ehe mit ihr und den gemeinsamen Söhnen, aber dennoch steht Eleni, selbst Jahre später in denen sie gar keinen Kontakt mehr miteinander haben, immer irgendwie zwischen ihnen.

Nach und nach lernt man noch viele weitere grandiose Familienmitglieder kennen, Enkel, Urenkel, Freunde, Lebenspartner, bis hin zu merkwürdigen Nachbarn, die dieses Buch so außergewöhnlich machen, da sie mit ganz viel Liebe zum Detail vorgestellt werden. Am Anfang des Buches befindet sich auch ein Stammbaum der Familie, der mir gerade zu Beginn des Buches sehr hilfreich war.

Vea Kaisers Schreibstil lässt sich schwer in Worte fassen für mich, da ich schlichtweg nichts vergleichbares bisher gelesen habe. Sie erzählt die Geschichte dieser Familie sehr lebhaft, lebendig, bildgewaltig und mit einem liebenswerten Humor, und ich denke, jeder der auf dem Land groß geworden ist und stets viel Familie um sich herum hatte, findet sich in ihren Büchern ein Stück weit wieder.

Mein Fazit:


"Makarionissi oder Die Insel der Seligen" ist ein Buch, bei dem man am Ende traurig ist, dass es vorbei ist. Mir wird es ebenso wie bereits ihr Debütalbum noch lange Zeit in Erinnerung bleiben und ich wünsche dieser großartigen Geschichte noch viele weitere Leser.






Samstag, 16. Mai 2015

Ein mallorquinischer Sommer - Helen Walsh

Autor: Helen Walsh

Verlag: Kiepenheuer & Witsch

Seitenzahl: 288

ISBN: 978-3-462-04711-0

Erscheinungsdatum: 11. Mai 2015

Ebenfalls als eBook erhältlich!

zu kaufen bei: Kiepenheuer & Witsch

oder bei: Amazon




Cover:


Das Cover strahlt eine sommerliche Frische und Leichtigkeit aus und gefällt mir sehr. Allerdings passt es meiner Meinung nach nicht zur Atmosphäre im Buch.


Erster Satz:


Am Horizont geht allmählich die Sonne unter, und damit setzt das lebendige Gewusel in der Ferne wieder ein.


Inhalt:


Die Eheleute Jenn und Greg verbringen ihren Urlaub wie jedes Jahr in einem Ferienhaus, das sich im Künstlerdorf Deià im Nordwesten Mallorcas befindet. Da Gregs Tochter Emma in diesem Jahr ihre Prüfungen hat, kommt sie erst später nach und möchte unbedingt ihren 17-jährigen Freund Nathan mitbringen. Obwohl Jenn und Greg alles andere als begeistert sind, lassen sie es zu und werfen ihre Bedenken über Bord. Als das junge Paar schließlich anreist, folgt schnell die Ernüchterung, denn Tochter Jenn ist nicht mehr das kleine 15-jährige Mädchen, sondern inzwischen eine gutaussehende junge Frau und ihr erster Freund Nathan sieht umwerfend gut aus. Jenn fühlt sich sofort magisch angezogen und setzt nicht nur ihre ohnehin schwierige Beziehung zur Stieftochter, sondern auch ihre Ehe auf´s Spiel.


Meine Meinung zum Buch:


Nachdem mich das Buch optisch sofort ansprach und auch die Leseprobe mir gut gefiel, war ich unheimlich gespannt auf diese Geschichte und erhoffte mir eine sinnliche und heitere Urlaubsromanze mit Mittelmeerflair. Leider konnten mich am Ende weder die Handlung noch die Charaktere fesseln und ich hatte mir da eindeutig etwas ganz anderes vorgestellt. Während die ersten Kapitel noch sehr vielversprechend begannen, sank mit der Laune der Protagonisten jedoch auch meine Meinung zur Geschichte.

Jenn, aus deren Sicht die Handlung erzählt wird, ist Mitte 40 und arbeitet in einem Pflegeheim. Als sie Greg kennenlernte, hatte dieser gerade seine Frau verloren und die Tochter Emma war nur wenige Monate alt. Er arbeitet an der Uni und veröffentlichte einige Bücher, aber seine Position soll eventuell gestrichen werden und so steht er enorm unter Druck. Obwohl sich Jenn immer eigene Kinder wünschte, blieb ihr Wunsch unerfüllt und mit ihrer Rolle als Stiefmutter tat sie sich von Beginn an schwer. Viele Erziehungsfragen bezüglich Emma stellte sie stets in Frage und während Greg seiner Tochter jeden Wunsch erfüllt, findet Jenn ihre Stieftochter viel zu verwöhnt. Ich konnte mich mit sämtlichen Protagonisten nicht so recht anfreunden und ehrlich gesagt auch Jenns Handlungen oftmals absolut nicht nachvollziehen. Sie hat ein Problem mit ihrem Alter und ist neidisch auf ihre Stieftochter, die plötzlich erwachsen wird und sehr gut aussieht, aber wie sie sich dann vom jugendlichen Freund der Tochter behandeln ließ, fand ich eher abstoßend.

Der Schreibstil ist leicht und flüssig lesbar und vorallem die Beschreibungen Mallorcas gefielen mir sehr gut, dennoch fand ich es stellenweise etwas zu langatmig beschrieben. Die Handlung plätscherte die ersten beiden Drittel des Buches eher dahin wie eine Reisereportage und wurde schließlich zum Ende hin immer verwirrender. Einige Fragen blieben am Ende unbeantwortet und auch die Erotikszenen wurden zum Ende hin immer vulgärer. Von sinnlichem Begehren war da meiner Meinung nach nur noch wenig zu spüren.

Mein Fazit:


Meine anfängliche Begeisterung für diese Geschichte ebbte leider sehr schnell ab und alles in allem fand ich das Buch eher enttäuschend. Die Charaktere waren mir zu unsympathisch sowie undurchschaubar und die Handlung oftmals zu langatmig. Lediglich die bildhaften Beschreibungen der Landschaft konnten mich überzeugen.









Mittwoch, 18. Februar 2015

Umweg nach Hause - Jonathan Evison

Bildquelle: Kiepenheuer & Witsch

Autor: Jonathan Evison

Verlag: Kiepenheuer & Witsch

Seitenzahl: 384

ISBN: 978-3-462-04659-5

Erscheinungsdatum: 09. Februar 2015

Ebenfalls als eBook erhältlich!

zu kaufen bei: Kiepenheuer & Witsch

oder bei: Amazon





"Wenn man Glück hat, verschleißt das Leben langsam, wird vom Zahn der Zeit zernagt oder erodiert wie ein Gletscher, und dann bleibt man allein übrig und sortiert die Trümmer. Wenn man Pech hat, wird das Leben einem plötzlich unter den Füßen weggezogen wie ein Teppich, und dann kann man nirgends mehr stehen und hat nichts mehr, auf dem man stehen könnte. So oder so, man ist am Arsch." (Seite 285)


Cover:


Das Cover ist schlicht in blau gehalten, mit einem Van vorne drauf, und auf den Cover-Innenseiten sind die Seitenprofile sowie Beschreibungen aller Mitreisenden abgebildet. Es gefällt mir sehr und passt perfekt zur Geschichte.


Erster Satz:


Als ich beschloss, mich um Menschen zu kümmern, die weniger Glück im Leben haben als ich, war ich pleite, also bin ich vielleicht nicht gerade Florence Nightingale.


Inhalt:


Ben, der eigentlich Benjamin Benjamin heißt, ist 39 Jahre und lebt bereits einige Jahre getrennt von seiner Frau Janet. Er weigert sich jedoch strikt, die Scheidungspapiere zu unterzeichnen. Sein Leben ist nach einem Unglück, bei dem er seine beiden Kinder verlor, ein einziger Trümmerhaufen und nachdem seine letzten Ersparnisse aufgebraucht sind, belegt er an der Abendschule einen Crashkurs zum Krankenpfleger und wird schließlich an den neunzehnjährigen Trevor vermittelt, der an Muskelschwund erkrankt ist. Trevors Vater Bob suchte kurz nach der Diagnose das Weite und versucht sein damaliges Handeln nun wieder gut zu machen, allerdings ohne Erfolg. Ben versucht zu vermitteln und bringt Trevor auf die Idee, eine Reise quer durch´s Land zu wagen und den Vater zu besuchen. Doch die Reise läuft überhaupt nicht wie geplant und wird zur Mutprobe für alle Beteiligten.


Meine Meinung zum Buch:


Bereits vor der Veröffentlichung von Umweg nach Hause war ich begeistert vom Cover des Buches sowie dem dazugehörigen Klappentext. Als ich dann auch die Leseprobe las, wollte ich unbedingt wissen, wie die ungewöhnliche Freundschaft zwischen Ben und Trevor weitergeht und was es mit Bens Schwermütigkeit auf sich hat. Bereits am Anfang der Geschichte erfährt man, dass dieser durch ein Unglück seine Tochter sowie seinen Sohn verloren hat und wenig später auch von seiner Frau verlassen wurde. Sein Leben erscheint ihm mehr als sinnlos, er macht sich große Vorwürfe und gibt sich die Schuld am Tod seiner Kinder. Kurz vor der drohenden Pleite, ist der Pflegeberuf seine letzte Hoffnung wieder in´s Berufsleben einzusteigen.

Trevors Mutter Elsa ist alles andere als begeistert von Ben und traut ihm die schwierige Aufgabe nicht zu, aber Trevor versteht sich auf Anhieb gut mit ihm und so überredet er seine Mutter, ihn einzustellen. Trevors Alltag besteht aus Wiederholungen des täglichen Ablaufs sowie wenig Abwechslung und so wird er zunehmend gereizter. Nachdem sich dann auch sein Gesundheitszustand erheblich verschlechtert, ist es Ben, der es durch eine perfekt ausgearbeitete Reiseroute schafft, Trevors Mutter von der Idee mit der großen Reise zu überzeugen.

Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht von Ben und durch die eingearbeiteten Rückblicke an den Unglückstag, an dem Ben alles verlor, erfährt man nach und nach, was wirklich damals passierte. Ben schafft es auch nach drei Jahren nicht das Geschehene zu akzeptieren und versucht immer wieder vor der Zukunft davon zu laufen und gegen seine Schuldgefühle anzukämpfen. Er tritt dabei von einem Fettnäpfchen ins nächste und schreckt auch vor waghalsigen Stunts nicht zurück. Durch die bildhaften sowie ironischen Beschreibungen, erhält diese tragische Geschichte dann seine Leichtigkeit. Besonders gelungen finde ich dabei die außergewöhnlichen Charaktere, die schlichtweg einzigartig sind und die man einfach mögen muss. Jeder kämpft gegen sein eigenes Schicksal an und am Ende ist diese Reise für alle ein Neubeginn in ein anderes Leben.

Mein Fazit:


"Umweg nach Hause" ist ein tiefgründiges Buch, das es zugleich schafft, durch seine schrägen Protagonisten unterhaltsam und warmherzig zu sein. Es hat mich zum Weinen, zum Lachen und zum Nachdenken gebracht und erhält von mir eine ganz klare Leseempfehlung!




           



P.S.: Ich bedanke mich bei Kiepenheuer & Witsch und Vorablesen für das Rezensionsexemplar.